Vorspiel


Vorspiel
Vor|spiel 〈n. 11
1. musikal. Einleitung, Präludium, Ouvertüre
2. einleitende Szenen vor dem eigtl. Schauspiel
3. 〈fig.〉
3.1 der Anfang
3.2 der Austausch von Zärtlichkeiten vor dem Geschlechtsverkehr
● das war erst das \Vorspiel! 〈fig.〉

* * *

Vor|spiel, das; -[e]s, -e:
1.
a) kurze musikalische Einleitung; Präludium (a);
b) einem Bühnenwerk vorangestelltes kleines Spiel, einleitende Szene:
ein Schauspiel in fünf Akten und einem V.
2. dem eigentlichen Geschlechtsakt vorausgehender, ihn vorbereitender Austausch von Zärtlichkeiten:
ein langes, intensives V.
3. (Sport) Spiel, das vor dem eigentlichen Spiel stattfindet.
4. das Vorspielen (3).

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I
Vorspiel,
 
1) Musik: im weiteren Sinn instrumentale Einleitung eines Musikstücks, die vorbereiten und einstimmen soll (auch Anteludium, Präludium); im engeren Sinn die Orchestereinleitung, die R. Wagner in Abkehr von der in sich abgeschlossenen Ouvertüre ab »Lohengrin« seinen Musikdramen vorangehen ließ. Merkmal des Vorspiels ist die organische Einbeziehung in das Drama entweder als Eröffnung der 1. Szene (»Der Ring des Nibelungen«) oder als ausgebreitete Darstellung des Hauptgehalts des Ganzen (»Tristan und Isolde«). Auch die einzelnen Akte einer Oper können durch Vorspiele eingeleitet werden (Wagner, »Die Meistersinger von Nürnberg«; G. Verdi, »La Traviata«; H. Pfitzner, »Palestrina«). Auch Verdi versah ab etwa 1850 seine Opern (»Rigoletto«, zuletzt »Aida«) mit Vorspielen, die er Preludio nannte, verzichtete im Spätwerk (»Otello«, »Falstaff«) jedoch auf jede Einleitung. (Ouvertüre)
 
 2) Theater: Bezeichnung für eine Szene oder für Dialoge, die einem größeren Bühnenwerk vorausgehen und thematisch auf dieses vorbereiten, z. B. »Vorspiel auf dem Theater« in Goethes »Faust« (I. Teil, 1808), Vorspiel zu B. Brechts »Kaukasischer Kreidekreis« (1954). Auch das einleitende erste Stück einer dramatischen Trilogie oder Tetralogie wird manchmal als Vorspiel bezeichnet (z. B. »Wallensteins Lager«, 1798, in Schillers »Wallenstein«).
II
Vorspiel,
 
der Austausch von Zärtlichkeiten vor dem eigentlichen Geschlechtsakt. Das Vorspiel erleichtert beiden Partnern die seelische Einstimmung und bereitet gleichzeitig den Körper auf den Koitus vor: Bei sexueller Erregung wird beim Mädchen beziehungsweise bei der Frau die Scheide feucht und weitet sich, beim Jungen beziehungsweise Mann versteift sich das Glied; die Haut wird insgesamt berührungsempfindlicher. - Für die Liebkosungen beim Vorspiel gibt es keine festen »Regeln«, die Partner sollten stets selbst entscheiden, in welcher Weise und wie lange sie das Vorspiel gestalten möchten. Manche Paare lehnen ein ausgedehntes Vorspiel ab, während andere z. B. langes Streicheln des ganzen Körpers, der erogenen Zonen und/oder ausgiebiges Lecken oder Küssen des Genitalbereichs mögen, bevor sie den Geschlechtsverkehr vollziehen. - Die Dauer des Vorspiels sollte auch auf die jeweilige Erregungssteigerung abgestimmt sein, da die Erregung bei Mädchen und Frauen meist langsamer ansteigt als bei Jungen und Männern: Daher geht es Mädchen oft zu schnell und Jungen zu langsam. Um nicht enttäuscht zu werden, sollte man sich nicht scheuen, die unterschiedlichen Erwartungen offen zu besprechen, und nach Möglichkeiten suchen, das Vorspiel besser auf die jeweiligen Bedürfnisse abzustimmen.
III
Vorspiel,
 
Sammelbezeichnung für den die sexuelle Bereitschaft steigernden oder die sexuelle Vereinigung einleitenden Austausch von Zärtlichkeiten zwischen den Partnern.

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Vor|spiel, das; -[e]s, -e: 1. a) kurze musikalische Einleitung; ↑Präludium (a); b) einem Bühnenwerk vorangestelltes kleines Spiel, einleitende Szene: ein Schauspiel in fünf Akten und einem V.; Ü Auch er (= der Vandalenkrieg) wurde eingeleitet durch ein diplomatisches V., das ... (Thieß, Reich 587). 2. dem eigentlichen Geschlechtsakt vorausgehender, ihn vorbereitender Austausch von Zärtlichkeiten: Wir ... hatten immer ein langes V. (Schwarzer, Unterschied 67). 3. (Sport) Spiel, das vor dem eigentlichen Spiel stattfindet. 4. das Vorspielen (3).

Universal-Lexikon. 2012.

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